Leopolddankstift Dessau - Information zu seiner Geschichte -

 
                 
 
1. Der Stifter
Fürst Leopold Maximilian Leopold Maximilian wurde 1700 als Sohn des Fürsten Leopold von Anhalt (der Alte Dessauer) in Dessau geboren. Wie sein Vater versieht  er den Dienst im preußischen Heer. Nach dem Tode des Fürsten Leopold von Anhalt im Jahr 1747 ist er dessen Nachfolger. Seit 1737 ist er mit Gisela Agnes von Anhalt – Köthen verheiratet. Nach einer Regierungszeit von nur vier Jahren stirbt er im Jahre 1751. Sein Sohn, Leopold Friedrich Franz (Vater Franz), folgt ihm in der Regierung nach. In der Geschichtsschreibung findet die kurze Regierungszeit Leopold Maximilians nur wenig Beachtung. Es ist jedoch  bemerkenswert, dass eine seiner Schöpfungen, das Leopolddankstift, über alle Krisen, Kriege und Gesellschaftsordnungen hinweg bisher Bestand gehabt hat.

     
2. Vorgeschichte und Einweihung
Die Stiftungsurkunde wurde am 24. April 1749 ausgefertigt. Den Plan zur Schaffung dieser Stiftung hat der Fürst jedoch schon lange vor seinem Regierungsantritt vorbereitet. Schon 1742 steht der Standort des Stiftungsgebäudes an der Ecke der Hospitalstraße (heute Askanische Straße)/ Kavalierstraße fest. Ab 1746 ist die finanzielle Grundlage der Stiftung abgesichert. Das Stiftungsgebäude wird 1750 durch den Superintendenten und ersten Administrator des Stiftes Abraham de Marees eingeweiht. Der Baumeister des Gebäudes ist nicht bekannt.



3. Stiftungsurkunde
In der Stiftungsurkunde von 1749 wird dokumentiert, dass Leopold Maximilian die Stiftung „zu Ehren des Allmächtigen  Gottes, nach dessen in seinem offenbarten Wort erteilten Befehl für die Armen zu sorgen“ errichten will.
Die finanzielle Grundlage bilden  Erträge aus einem in das Gut Moltewitz bei Aken investierten Kapital und Pachterträge aus verpachtetem Ackerland bei Dessau von insgesamt     7 Hufen und 18 Morgen. Die daraus erzielten Einnahmen reichten aus, um zunächst 10 Personen in das Stift aufnehmen zu können. Diese Zahl wird in den Folgejahren kontinuierlich  erhöht.


Die Urkunde von 1749 enthält 15 Abschnitte mit u.a. folgenden Festlegungen:
- Aufgenommen werden sollen vorrangig „Leute Männlichen Geschlechtes, welche in Unseren Diensten gestanden
  haben“ (auch deren Ehefrauen und Kinder).
- Auch aufgenommen werden können Bürger reformierter oder lutherischer Religion, die in Dessau geboren, getauft und   möglichst genau 50 Jahre alt sind.

 
Stiftungsurkunde aus dem Jahr 1749
- Die Bewohner erhalten neben freier Wohnung, monatlich 2 Taler Geldzuwendung, an vier Gedenktagen des Jahres großzügig Lebensmittel (u.a. „zwei Maß
  Dessauer Bier“) und alle 2 Jahre neue Kleidung. Sie dürfen im herzoglichen Wald unentgeltlich Holz zum Kochen und Heizen sammeln.
- Die Stiftbewohner werden zu einem christlich geprägten Tagesablauf angehalten.
- Die Bewohner dürfen zur Verbesserung ihres Lebensunterhaltes einer Arbeit nachgehen; Das Betteln ist ihnen bei Strafe des Verweises aus dem Stift  streng
   verboten.
- Die Aufsicht über das Stift soll der jeweilige Superintendent führen. Das Domkapitel zu Magdeburg soll darüber wachen, dass die Stiftung in rechter Weise
  bestehen bleiben möchte.

Bemerkenswert ist es, dass der Grundgedanke dieser Urkunde, alten und bedürftigen Menschen angemessene Wohnbedingungen zu schaffen, über die Jahrhunderte hinweg trotz der in unserem Teil Deutschlands besonders wechselvollen Geschichte unter all den verschiedenen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erhalten geblieben ist.



   
4. Wirtschaftliche Grundlage der Stiftung
Die ursprüngliche finanzielle Ausstattung bestand aus Einnahmen, die aus der Verpachtung von Ackerland erzielt wurden sowie aus Kapitalerträgen. Diese Einnahmen waren ausreichend, um den unterstützten Personenkreis bis 1918 ständig zu erweitern und über die im Stiftsgebäude wohnenden Bürger hinaus auszudehnen. Mit zunehmender Industrialisierung und der damit verbundenen Ausdehnung des Stadtgebietes von Dessau wird ein großer Teil des dem Stift gehörenden „Ackers“, der inzwischen im Siedlungsgebiet der Stadt liegt, verkauft. Das geschieht z. B. Mitte des 19 Jh. für den Eisenbahn- und Straßenbau westlich der Altstadt und nach 1923 für den Siedlungsbau südlich des Georgengartens – heute u.a. Gropiusallee und angrenzende Straßen. Soweit die Verkaufserlöse nicht während  der Inflation nach 1918 wertlos werden, gehen sie dem Stift während der Weltwirtschaftskrise im Jahre 1932 verloren. Nur mit viel Mühe kann die Stiftung in dieser Zeit gerettet werden. Als finanzielle Grundlage dienen ausschließlich die Pachteinnahmen aus dem verbliebenen Grundbesitz. Dieser beträgt 1945 noch etwa 30%  und 1990 etwa 20% seiner ursprünglichen Größe. In der Zeit von 1945 bis 1993 konnten die Aufgaben des Stiftes aus Eigenmitteln nicht mehr erfüllt werden. Zum Erhalt der Stiftung – insbesondere der Bausubstanz – erhält sie umfangreiche Zuwendungen der evangelischen Kirchen der DDR und der Partnerkirche aus der Pfalz. Auf diese Weise gelingt es, zumindest die Grundsubstanz der Gebäude zu erhalten. Ab 1994 sind wieder Überlegungen möglich, die eine eigenständige Weiterführung  und Entwicklung der satzungsgemäßen Aufgaben des Stiftes  beinhalten.

     
5. Baugeschichte
Das ursprüngliche Stiftsgebäude mit 14 Wohnungen wurde 1750 an der Ecke Kavalierstraße/ Hospitalstraße fertig gestellt. 1805 wird die Anzahl der Wohnungen durch einen Anbau in der  Kavalierstraße und den Kauf des nördlich angrenzenden Gebäudes erhöht. 1847 wird das Stiftsgebäude unter Leitung von Regierungsbaurat Kretzschmar grundlegend erneuert. Das Gebäude wird um ein Geschoss erhöht und ein Turm von 40m Höhe wird errichtet. Damit erhält das Gebäude sein heutiges Aussehen. Bis zu seinem Verkauf an die Stadt im Jahre 1902 wird das heutige Museum für Naturkunde und Vorgeschichte als Wohngebäude für die Stiftsbewohner genutzt.
Im Jahre 1908 wird der neue Gebäudekomplex des Stiftes in der Turmstraße mit 32 Wohnungen (je 1 Zimmer und Küche auf offenen Fluren) und einer Kapelle mit Verwalterwohnung und Diensträumen eingeweiht. Die Gebäude sind großzügig von Grün- und Gartenanlagen umgeben. Bis etwa 1970 bleibt die Bausubstanz unverändert. Danach werden unter Beibehaltung der äußeren Bauhülle schrittweise Verbesserungen im Wohnbereich vorgenommen. Wegen der schwierigen finanziellen Situation ist es jedoch nicht möglich, den in der DDR üblichen Standard der Wohnungsausstattung in den Gebäuden des Stiftes zu gewährleisten. Heute stehen den Bewohnern 18 abgeschlossene Wohnungen mit 2 (bzw. 3) Zimmern, Küche und Bad zur Verfügung. Seit 1994 können die Wohnungen bei Neubezug entsprechend dem allgemeinen Standard für sanierte Altbauwohnungen ausgestattet werden. Leider können die besonderen baulichen Anforderungen an Wohnungen, die für ältere Menschen mit schwerer Körperbehinderungen bestimmt sind,  noch nicht immer ausreichend berücksichtigt werden. Dies ist eine der noch zu lösenden Aufgaben des Stiftes. 

 
Leopolddankstift um 1850
(ab 1903 Kunsthalle - später Museum)
     
6. Das Leben im Stift – die Bewohner
Die ersten 10 Pensionäre beziehen 1750 das Stiftsgebäude. Ihre Zahl erhöht sich bis 1809 auf  22. Damit sind alle Räume des Gebäudes bewohnt.  Ab 1823 werden auch Personen unterstützt, die nicht im Stiftsgebäude wohnen. 1902 sind dies 46 Personen. Bis 1890 werden die Naturalzuwendungen in Geldzuwendungen umgewandelt (1890 monatlich 12 Mark). Die Kosten für ärztliche Behandlung werden ab 1820 in Sonderfällen und später generell vom Stift übernommen. Die Zuwendungen des Stiftes reichen für den Lebensunterhalt Mitte des 19 Jh. kaum noch aus. Die meisten Bewohner sind auf Zuverdienst angewiesen. Das ändert sich erst, nachdem die Sozialgesetze Bismarcks wirksam werden, und die älteren Bewohner auch Rente erhalten.
In der Zeit vom Verkauf des alten Stiftsgebäudes im Jahre 1902 bis zur Fertigstellung des neuen Gebäudes im Jahre 1908 müssen die Pensionäre in vom Stift gemieteten Wohnungen in der Stadt wohnen.

Die neuen Wohnungen in der Turmstraße sind mit Gasbeleuchtung und fließendem Wasser für die damalige Zeit modern ausgestattet. Auch kann jeder Pensionär auf dem Gelände des Stiftes einen eigenen Garten bewirtschaften. Die Hausordnung aus dem Jahre 1908 mutet heute sehr autoritär an; Sie galt damals gegenüber der vorher gültigen Hausordnung aber als durchaus liberal. Die Zahl der Pensionäre (einschließlich Außenwohner)  erreicht 1919 mit etwa 80 ihren Höchststand. Inflation und Weltwirtschaftskrise führen bis 1933 auch für die Pensionäre zu Einschränkungen. Die Geldunterstützungen müssen erheblich eingeschränkt werden. Sie betragen 1942 noch 10 RM monatlich. Sie werden nur noch an die Bewohner des Stiftes gezahlt. Die Wohnung ist aber noch mietfrei.
 
Kapelle des Leopolddankstiftes um 1914
Wegen der sich nach 1945 weiter verschlechternden wirtschaftlichen Situation des Stiftes müssen die finanziellen Unterstützungen bald ganz eingestellt werden, obwohl aus den noch vorliegenden Aufnahmeanträgen eine heute unvorstellbare Not der Antragsteller zu erkennen ist. Die Zahl der Bewohner ist nach 1945 sehr hoch. 1965 wohnen in dem Stift noch 45 Personen. Diese Zahl sinkt mit der sich insgesamt verbessernden Wohnungssituation und mit der Schaffung von abgeschlossenen Wohnungen in den Gebäuden des Stiftes. Seit etwa 1985 bis heute liegt die Zahl der Bewohner je nach Haushaltsgröße bei 24 bis 28.
Neben weiter gehenden Überlegungen im Rahmen der Satzung sieht das Stift nach wie vor seine Aufgabe auch darin, bedürftigen älteren Menschen ein angenehmes Zuhause zu bieten und ihnen Hilfe im Alter zu geben. Wie der Stifter betrachtet es diese Aufgabe als einen den Christen gegebenen Auftrag.
 
Museum für Naturkunde Dessau um 1995
(bis 1902 Leopolddankstift)